Heilpflanzen Kolumne

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Geschichtliche Entwicklung der Pflanzenheilkunde Teil 2

Nach dem kurzen Abriss über die geschichtliche Entwicklung der Pflanzenheilkunde im vorhergehenden Kapitel ist heute ein erster Blick darauf Thema, warum die bewusste Rückkehr zu unserer heimischen Flora ein unabdingbarer Schritt in der Weiterentwicklung der Menschheit sein wird .
Die chemische Pharmakologie fand in der durch die Entdeckung Amerikas als Mitbringsel eingeschleppten Geschlechtskrankheit Syphilis ihre Geburtsstunde. Die erste Welle dieser Epidemie verlief tödlich. Die Menschen der Alten Welt besaßen noch keine inneren Abwehrkräfte gegen diese Erreger, die sogenannten Spirochäten. So wie die Indianer bisher noch nicht mit „unseren“ einfachen Infektionskrankheiten in Berührung gekommen waren und durch Grippe und Kinderkrankheiten hinweggerafft wurden.
Die reichen Europäer, die erfolglos verschiedenen europäische Kuren versucht hatten, ließen sich in der Neuen Welt von Schamaninnen erfolgreich kurieren. Die dabei verwendeten Pflanzen wurden natürlich gleich als Verkaufsschlager nach Europa eingeführt. Nur der Erfolg blieb dauerhaft aus. Die Europäer hatten einfach den übrigen Kontext der Heilpflanzenanwendung außer Acht gelassen und nur auf die Substanz geschaut. Fasten oder besondere Diätanweisungen, Enthaltsamkeit und Abstinenz, täglich heiße Schwitzbäder in Verbindung mit den entsprechenden Pflanzenzubereitungen töteten tatsächlich die Syphiliserreger ab. Doch den europäischen Ärzten war diese Kur zu aufwändig. Deshalb wandten sie sich hilfesuchend den mineralischen Mitteln der arabischen, alchemistischen Tradition zu. Damit läuteten sie das Zeitalter der Chemotherapie ein. Salbenzubereitungen mit giftigem Quecksilber wurden im Kampf gegen die Seuche ein probates Mittel. „Wurzelkram“ wurde unmodern und verachtet. Unter der anerkannten Ärzteschaft war das ehemals intuitive, hellsichtige Wissen der einstigen Kräuterheiler längst abhanden gekommen. Die Quecksilberkuren der Quacksalber hatten einerseits Erfolg gegen die Erreger, doch die Gefahr, dass der Wirt gleich mit umgebracht wurde, war nicht unerheblich. Zumindest war in der Regel das Immunsystem zeitlebens soweit geschwächt, dass das Einkommen der Ärzte weiterhin gesichert war. In der damals modernen Heilkunde war Quecksilber eine Wunderdroge ersten Ranges und wurde zur Heilung aller möglichen Leiden herangezogen. Die drastischen Nebenwirkungen und Vergiftungserscheinungen wurden als notwendiges Übel in Kauf genommen. Die letzten Ausläufer dieser Art von schleichender Vergiftung der westlichen Welt finden wir heute noch in Zusätzen zu Impfungen, in verseuchten Meeresfrüchten und in den Quecksilberamalgamfüllungen der Zähne.
Die neue Seuche und ihre Erreger, die Spirochäten, und noch mehr ihre Behandlung lösten demnach einen tiefgreifenden Kulturwandel aus. Betroffen waren nicht nur Soldaten und Dirnen. Die Seuche breitete sich über alle Schichten aus und verschonte auch nicht die Elite, die geistlichen und weltlichen Herrscher. Die Entstellungen durch die Seuche und die körperlichen Nebenwirkungen der Quecksilbervergiftung veränderten die Mode. Schminke und Perücke mussten her. Das Benehmen, die Umgangsformen, die Tischmanieren, das Mobiliar wurden den Befindlichkeiten angepasst. Die Menschheit wurde zivilisiert („syphilisiert“), das heißt, das Leben wurde distanzierter, kühler. Das Bewusstsein rutschte vom warmen, innigen Herzen nach oben zum kühlen Kopf. Aus Angst vor der „rohen“ Natur entstand gekünsteltes Benehmen. Verachtung zollte man den „primitiven“ Bauern, die sich die Ärzte natürlich nicht leisten konnten und bei ihrer altüberlieferten Volksheilkunde blieben und obendrein auch noch so unverschämt gesund aussahen.
Im Laufe der Zeit passte sich das Immunsystem der Syphilis mehr und mehr an, der Krankheitsverlauf schwächte sich ab. Ende des 19. Jahrhunderts galt sie nur noch als Kavalierskrankheit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wähnte man sie dank der Entdeckung des Penizillins endgültig ausgerottet.
Ausrotten? Vorübergehendes Verdrängen aus der materiellen Ebene, ja, aber auslöschen: nein! Krankheitserreger sind materieller Ausdruck geistiger Archetypen.
Die Weltgesundheitsorganisation meldet 12 Millionen neue Syphilisfälle jährlich. Auch andere Infektionskrankheiten kommen zurück. Die Erreger der Syphilis, die sogenannten Spirochäten, beglücken uns mit einer neuen Gattung ihrer Art: die Borrelien. Die neue „Seuche“ Borreliose hat uns mittlerweile auch schon fest im Griff. Fragen tauchen auf: Wird sie wie ihre Schwester die Syphilis einen derartigen Kultur- und Bewusstseinswandel auslösen? Läutet sie das Ende des Antibiotikazeitalters ein? Befreit sie die Menschheit vom Wahntraum eines krankheitsfreien Daseins? Sicher wird sie ein Aufruf zur Vertiefung unseres Wesens sein. Höchste Zeit, zu den Heilpflanzen zurückzukehren. Sie warten darauf, uns auf diesem Weg zu begleiten…

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