Heilpflanzen Kolumne

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Wegerich - Unser heimisches Universalspezifikum / Heilpflanzenkolumne (Teil 4)

Nachlese Kräuterspaziergang vom 18. April 2009


Spitzwegerich / Breitwegerich => Hüter der Wege

Wegerich gehörte in früheren Zeiten wegen seines breiten Heil- und Wirkspektrums zu den heiligen Pflanzen. Besonders machtvolle Heilpflanzen bekamen den Ehrentitel „Mutter der Heilkräuter“. So auch der Wegerich, der von den Medizinleuten als Allesheiler angewandt wurde.

Auf unseren Wegen begegnen uns auf Schritt und Tritt Breit- und Spitzwegerich. Der Breitwegerich wächst genau da, wo die Menschen Trampelpfade, Wege und Straßen anlegen. Dort, wo die Erde am meisten verdichtet, festgetrampelt und trocken ist. Der Spitzwegerich dagegen liebt es etwas feuchter und wächst in Wiesen und an den Wegrändern. Die auch in vielen Vornamen vorkommende Endung „–rich“ bedeutet Herrscher, Hüter, Fürst, König. Und weil auf den Straßen und Wegen was los ist, bringt der Wegerich als Hüter der Wege in Hinblick auf Körper, Geist und Seele was in Bewegung! Der wissenschaftliche Name „Plantago“ leitet sich vom lateinischen planta = Fuß und agere = bewegen ab.

Seine Heilwirkung wird auch genau dort, wo er vorkommt, am meisten gebraucht. Für das fahrende Volk, Händler, Reisende, Wanderer und Pilger war er Freund und Beschützer. Wer weit fährt, lebt gefährlich!

Die Wegerichwurzel um den Hals gehängt, schützte vorbeugend vor der Pest, Fieberanfällen, Dämonen und dem Hinken.
Bei Schlangen- und Hundebissen und bei Skorpion- und Insektenstichen kamen seine blutstillenden, antitoxischen, entzündungshemmenden und juckreizlindernden Eigenschaften zum Einsatz.
Bei müden und wunden Füßen war vor allem der Breitwegerich in die Schuhe gelegt das erste Erfrischungs- und Heilmittel und natürlich stets zur Hand.

Aber ganz ursprünglich waren die Wege für die Menschen weniger physischer denn metaphysischer Natur. Die ersten Trampelpfade wurden zu sakralen Zwecken angelegt. Auf diesen Wegen fuhren die Wagen der im Frühjahr wiederkehrenden Vegetationsgöttin. Im Herbst ging es auf gleichem Wege zurück in die Unterwelt, ins Totenreich. Für die Germanen war das der „Hellweg“, der Weg ins Totenreich zur Frau Holle (= Vegetationsgöttin). Sie war die Helle, Lichte, die die Toten in der Anderswelt empfing. Die Ahnen waren im Leben der Germanen (und in allen anderen Kulturen auch) ein wichtiger Bestandteil des Lebens, die Verbindung zu Ihnen durfte nicht abbrechen. So betrachteten sie den Breitwegerich als Wiederverkörperung der Seelen ihrer Ahnen, nachdem sie über den Hellweg in die Unterwelt eingetreten waren. In Form des Wegerichs mit seinen Heilkräften standen die Ahnen auf diesem Wege hilfreich zur Seite.

Ein anderes Verständnis für die Bedeutung des Wegerich finden wir über seine uralte Zuordnung zu Merkur, dem Gott mit den geflügelten Schuhen. Er ist der Herr aller Wege und Straßen (auch die in die Unterwelt), und gleichzeitig auch der Heiler unter den Göttern. Zu erkennen an dem von Schlangen umwundenen Heroldsstab, dem Symbol der Ärzte. Trägt aber eben auch Reisehut und die geflügelten Schuhe. Er ist der Reisende und Botschafter zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt. Als Heiler kann er die am Rande des Todes Schwebenden zurück ins Leben bringen (wie auch der Wegerich).

Der Wegerich drückt das Thema des Grenzüberschreitens / Grenzenbewahrens in jeder Hinsicht aus:
- Zuordnung zu Merkur, dem Grenzgänger zwischen Leben und Tod, dem Hüter der Grenzen, die ja auch meist Wege sind
- Der muskelartige Charakter den Spitzwegerichblätter deutet auf die Fähigkeit zur Bewegung hin. Der Begriff Emotion bedeutet „in Bewegung sein“ oder „in Bewegung setzen“. Mit Hilfe unserer Muskeln drücken wir unsere Emotionen aus. Mit Hilfe der Muskeln überschreiten wir unsere Grenzen, physische wie seelische, was zur Stärkung unserer körperlichen und geistig-seelischen Muskeln führt.
- Körperlich wirkt der Wegerich vor allem auf unsere Grenzen. Diese Grenzen werden von unserer Haut und den Schleimhäuten repräsentiert.

Aus diesem Blickwinkel wollen wir den Wegerich zuletzt noch etwas genauer betrachten:
- blutstillend bei Blutungen aller Art (innerliche und äußerliche), wundheilend
- entzündungshemmend, natürliches Antibiotikum, bei chronisch entzündlichen Erkrankungen
- antiviral
- unterstützt das Immunsystem, unsere Abwehr gegen äußere Erreger, die unsere Grenzen überschreiten wollen
- fiebersenkend
- unterstützend bei Krebserkrankungen, zytotoxisch gegen Tumorzellen, auch vorbeugend
- antioxidativ (Radikalfänger)
- eine unserer größten Lungenheilpflanzen
- in seiner Wirkung auf die Leber ist er der Mariendistel vergleichbar, aber viel einfacher zu handhaben

Also: tun wir es einfach. Er lässt sich in jeder Form zubereiten, ob als Teeaufguss, Tinktur oder Wildgemüse im Salat oder in der Suppe oder…. In früheren Zeiten war er Bestandteil fast jeder Salbenzubereitung. Quasi ein Universalspezifikum!!!


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